Diesen Monat haben wir ein Zitat von William Shakespeare ausgewählt, das in „König Heinrich der Vierte“ (1. Teil, 5. Aufzug, 1. Szene) zu finden ist. Der übergewichtige, alte Sir John Falstaff führt in jeder Beziehung ein zügelloses Leben, er ist ein Feigling, Drückeberger und Lügner, allerdings weniger aus Bosheit als aus Bequemlichkeit. Im Dialog mit Prinz Heinrich äußert er seine Angst vor der bevorstehenden Schlacht. Dieser meint, nicht er, sondern höchstens ein Gebet könne ihm helfen.
Falstaff: Ich wollte, es wäre Schlafenszeit, Heinz, und alles gut.
Prinz Heinrich: Ei, du bist Gott einen Tod schuldig. (Ab.)
Falstaff: Er ist noch nicht verfallen, ich möchte ihn nicht gern vor seinem Termin bezahlen. Was brauche ich so bei der Hand zu sein, wenn er mich nicht ruft? Gut, es mag sein: Ehre beseelt mich, vorzudringen. Wenn aber Ehre mich beim Vordringen entseelt? wie dann? Kann Ehre ein Bein ansetzen? Nein. Oder einen Arm? Nein. Oder den Schmerz einer Wunde stillen? Nein. Ehre versteht sich also nicht auf die Chirurgie? Nein. Was ist Ehre? Ein Wort. Was steckt in dem Wort Ehre? Was ist diese Ehre? Luft. Eine feine Rechnung! - Wer hat sie? Er, der vergangenen Mittwoch starb: fühlt er sie? Nein. Hört er sie? Nein. Ist sie also nicht fühlbar? Für die Toten nicht. Aber lebt sie nicht etwa mit den Lebenden? Nein. Warum nicht? Die Verleumdung gibt es nicht zu. Ich mag sie also nicht. - Ehre ist nichts als ein gemalter Schild beim Leichenzuge, und so endigt mein Katechismus. (Ab.)